Kilimanjaro

Zur Bewältigung meiner zyklisch auftretenden Midlife-Crisis beschloss ich statt einer Geburtstagsfete diesmal eine besinnliche Wanderung alleine zu unternehmen. Durch Zufall sah ich einen 5 Minuten Ausschnitt einer Sonntags-Soap und war der Meinung, dass der Kilimanjaro dafür bestens geeignet sei. Kurz darauf war das gebucht und ich konnte mich wieder meinem beruflichen Stress widmen.

Zwei Wochen vor Start hatte ich schnell noch die letzten benötigten Utensilien bestellt und am 23.04.2018 startete ich von Frankfurt über Istanbul und Zanzibar zum Kilimanjaro Airport in Tanzania. Ich kam gut an – mein Koffer nicht. Eine Stunde vor Aufbruch zur Tour wurde der dann nachgeliefert, allerdings ohne mein Teleobjektiv, das wahrscheinlich Mitarbeiter von Turkish Airlines entwendet haben. Zum Glück hatte ich (nachdem heute noch ein Teil meiner Fotoausrüstung in Abu Dhabi liegt) eine Zweitkamera mit integriertem Tele gekauft.

Nach kurzer Einweisung ging’s von Moshi zum Start der Marangu-Route (die einfachste Route am Kilimanjaro und in der Regenzeit die, mit der geringsten Schlammschlacht). Am Gate gibt es ein paar Formalitäten, dann sind wir in weniger als drei Stunden die paar Kilometer zu den Mandara Huts gelaufen. Die Tour durch den Regenwald ist zur Regenzeit ziemlich feucht, aber sehr einfach zu gehen und es waren auch weniger wie 1.000 Höhenmeter.

Die nächste Tour auf 3.720m zu den Horombo Huts ist ebenso easy und deutlich schneller zu laufen. Hier gibt’s einen Akklimatisierungstag, den wir nutzen zu den Zebra Rocks und auf einen Punkt zwischen den zwei Gipfeln (Kibo und Mawenzi) auf etwa 4.400m zu kommen. Es ist etwas ernüchternd, dass man die Kibo Huts schon sehen kann, und die ganzen Höhenmeter erst mal wieder runter läuft.

Am nächsten Tag kommt dann die vorletzte Etappe zu den Kibo Huts. Auch das ist sehr einfach. Angeblich ist ab einem Alter von 45 die Chance für die Höhenkrankheit geringer und ich merke deshalb gar nichts. Unterwegs hatten wir mehrfach die Rettungspritschen mit dem Stützrad in der Mitte und auf etwa 4.400 m den letzten Hubschrauberlandeplatz gesehen.

Nachts um 12:00 Uhr startet man dann mit Stirnlampe (die wir bei Vollmond gar nicht gebraucht hätten) zum letzte Abschnitt. Der hat es allerdings in sich, weil man ewig lange (fast 4 Stunden) ein Geröllfeld mit Schneefelder relativ steil in Serpentinen nach oben geht. Irgend wann sind wir dann auf einen Grad gestolpert mit den Hinweisschild, dass man den Gilman’s Point erreicht hat und damit der anstrengende Teil hinter uns liegt. Dennoch zieht es sich dann noch etwas hin, bis der Gipfel des Kibo erreicht ist.

Die Aussicht bei Sonnenaufgang ist überwältigend und entschädigt für die  Anstrengung und den Aufwand.

Nach 10 min am Gipfel geht’s dann gleich wieder runter zu den Horombo Huts – der einzige Tag, wo man eine nennenswerte Strecke (>20 km) läuft. Hier ist die Verabschiedung von einem Teil des Teams mit der obligatorischen Trinkgeldüberreichung. Die Nationalparkverwaltung vom Kilimanjaro verlangt für einen Einzelgänger wie mich einen Guide, einen Assistent-Guide und Waiter, einen Koch und zwei Träger (für einen einzigen alten Mann).

Am nächsten Tag kann ich nach dem Start Richtung Istanbul kaum glauben, dass ich dort drüben auf dem Gipfel war, als wir in etwa 5.000m Höhe am Kibo vorbeiflogen.